Der langsamste Zug der Welt – 15 Stunden für 370 Kilometer

Wer liebt es, um drei Uhr morgens aufzustehen? Wir eigentlich nicht, aber heute war doch etwas Vorfreude mit dabei, denn wir würden den langsamsten Zug der Welt nehmen! Gestern haben wir die Grenze von Thailand nach Myanmar in Mae Sot überquert. Das relaxte und einfache Reisen in Thailand würde nun vorüber sein, oder? Immerhin kann man Myanmar nicht mit Thailand vergleichen. Oder vielleicht doch? Es sei das Thailand von vor 20 Jahren, zumindest wurde uns das immer wieder so gesagt.

Zugticket für unsere Reise von Mawlamyine nach Dawei

Google meint, mit dem Auto würde es weniger als 6 Stunden dauern...naja, ob das stimmt?

Wir stehen also um 3 Uhr auf, packen unsere Sachen und begeben uns zum 300 Meter entfernten Bahnhof (Danke Natalia, dass du ein Hotel so nah zum Bahnhof gebucht hast!). Zum Schalter - Ticket kaufen: der Mann schaut auf seinen selbstgeschriebenen Zettel und gibt uns ein relativ cool aussehendes Ticket, mit Sitzplätzen in der "First Class" für gerade einmal 5900 MMK, umgerechnet 3.50€ pro Person.
Wir gehen zum nebenanliegenden Bahngleis und um 4.20 kommt der Zug aus Yangon an. Kurze Zeit später sind wir auf dem Weg von Mawlamyine nach Dawei.

Sonnenaufgang über den Feldern von Myanmar

Die Eisenbahnstrecke führt uns inmitten der Felder und Wälder südwärts. Wir erleben einen tollen Sonnenaufgang - oder bessergesagt - Ich erlebe einen tollen Sonnenaufgang, denn Natalia ist tief und fest am Schlafen!

Natalia schläft tief und fest, während Myanmar erwacht.

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von vielleicht 25 km/h bewegen wir uns Richtung Dawei, wo wir nach 15 Stunden Fahrt für gerade einmal 370 Kilometer ankommen würden!

Steffen lehnt sich aus dem überaus schnell fahrenden Gefährt! Nicht zu Hause nachmachen!

Der Lärmpegel ist enorm, die Wagen wippen wie ein Schiff von Links nach Rechts und hoch und runter. Dennoch fühlen wir uns besser als je zuvor. Die letzten drei Wochen in Thailand waren wie ein riesiges Dejavu, da ich in einigen Orten bereits in meinem Urlaub vor 3 Jahren mit Franz war. Umso mehr freue ich mich, nun ein komplett unbekanntes Land zu entdecken. Das Schneckentempo des Zuges erlaubt es uns die Natur, bestehend aus bunten Laubwäldern, grünem Bamboo und unzähligen Palmen, zu genießen. Kaum zu glauben, dass es hier eine Eisenbahnstrecke gibt. Zumeist ist der ganze Waggon von Pflanzen umschlungen, sodass man aufpassen muss keinen Ast ins Gesicht zu bekommen, wenn man aus dem Fenster schauen will.

Die junge Familie bot uns ebenfalls diverse Snacks an.

Ein Familie mit einem dreijährigen Jungen sitzen neben uns. Der Kleine ist super süß und zieht unsere Blicke auf sich. Schnell bieten wir ihm Süßigkeiten an. Doch drei Mal greift er in die Tüte und zieht nur leeres Bonbon-Papier hervor. Wir fühlen uns so schlecht, dass wir ihm dann nicht nur ein Bonbon geben, sondern auch ein kleines Spielzeugauto, dass Natalia noch von zu Hause mit sich trug. Der kleine Junge grinste bis über beide Ohren, und wir auch!

Der kleine Bube mit seinem neuen Spielzeug.

Willkommen Myanmar, ich glaube, wir werden hier eine tolle Zeit verbringen!

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